Schwarz-Weiß-Foto von einem Mann und einer Kuh

 

Geschichte der Milch: eine 10.000 Jahre alte Erfolgsstory

Die Milch war schon immer da. Doch erst vor etwa 7.500 Jahren konnten unsere Vorfahren sie auch trinken. Von der Laktoseintoleranz bis hin zur Kuhmilch als Lebensmittel war es ein langer Weg. Laktoseintoleranz bei Erwachsenen war aber nur eine der Ursachen, warum Milch in Europa bis vor ca. 7.500 Jahren kaum verzehrt wurde. Hinzu kam die schlechte Rohmilchqualität aufgrund des nicht-vorhandenen Wissens zur Hygiene, zu Bakterien und zum Haltbarmachen sowie aufgrund der fehlenden Kühlmöglichkeiten. Heute sind leckere Milchprodukte nicht mehr aus unserer Ernährung wegzudenken – oder wer verzichtet gern auf den Kakao oder den Milchkaffee am Morgen? Lernen Sie hier die spannenden Meilensteine der Geschichte der Milch kennen.

Von Intoleranz zur Toleranz: die wohl wichtigste Wende für die Milch

Es ist nicht genau überliefert, seit wann Menschen Tiermilch tranken. Schon unsere Urahnen kannten die weiße Flüssigkeit. Jedoch war die Milch für sie im Rohzustand kein Lebensmittel. Anders als viele Menschen heute, vertrugen sie den darin enthaltenen Zucker, die Laktose, nicht. Nur Babys und jüngere Kinder konnten das Enzym Laktase bilden, mit dem sie den Zucker spalten und verwerten konnten. Für ältere Menschen in der Frühzeit war Rohmilch unbekömmlich. Wie Funde aus der Jungsteinzeit zeigen, nutzten die Menschen die Milch von Kühen, Ziegen und Schafen aber sehr wohl: Mit selbst hergestellten Töpferwaren wurde Käse produziert, der nahezu frei von Milchzucker war.

Dank einer Genmutation, das sogenannte LP-Allel, können heute viele Menschen den Genuss der Milch erleben. Die Laktase-Persistenz tauchte zum ersten Mal in den Regionen des heutigen Ungarn, Österreichs oder der Slowakei auf. Als durch die Mutation vor etwa 7.500 Jahren die ersten Menschen laktosetolerant wurden, konnten sie von den Nährstoffen der Milch profitieren und waren somit unabhängiger vom Jagderfolg.

Wenn es klingelt, kommt der Milchmann

Im Mittelalter entstanden die ersten Molkereien, die einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Milch darstellen. Zunächst stellte jeder Bauernhof Milch für den Eigenbedarf her. Doch schon bald wurde vornehmlich in Klöstern Milch und Milcherzeugnisse für einen größeren Personenkreis produziert. Klöster entwickelten sich in ihrer langen Geschichte zu wichtigen Zentren, in denen unter anderem Techniken für den Landbau entwickelt wurden und landwirtschaftliche Betriebe entstanden. Die Geschichte der Molkerei Weihenstephan ist hierfür ein Paradebeispiel. Auch sie entstand aus einem Kloster der Benediktiner Mönche, in dem seit ca. 1021 Milchprodukte produziert werden.

Mit der einsetzenden Industrialisierung wuchsen die Städte, die Menschen zogen vom Land in die entstehenden Ballungszentren. Der kurze Weg vom Bauernhof in die heimische Küche war für die breite Arbeiterschicht nicht mehr gegeben. Es entstanden Molkereien, die als spezialisierte Betriebe die Herstellung und den organisierten Vertrieb von Milch übernahmen. Für die Auslieferung der Milch waren insbesondere in den USA und England die Milchmänner zuständig. Sie brachten die Ware jeden Tag bis an die Haustür. Noch im späten 20. Jahrhundert wurden im traditionsreichen Großbritannien neun von zehn Milchflaschen von Milchmännern geliefert. Auch heute gibt es noch etwa 5000 britische Milchmänner, die die Tradition aufrechterhalten und mit der Lieferung bis vor die Haustür einen praktischen Service bieten.

 

Schwarz-Weiß-Foto von einem Milchmann mit Milchflaschen
Was es heute nur noch vereinzelt in Großbritannien gibt, war früher Gang und Gäbe: der freundliche Milchmann.
Ein Fahrrad mit drei Milchkannen
Der Milchmann brachte die Milch immer bis vor die Haustüre
Abbildung Weihenstephaner Berg
Die Produktion von Milchprodukten hat auch bei Weihenstephan eine lange Tradition: Der Beginn war in einem Kloster am Weihenstephaner Berg.
Foto Molkerei Weihenstephan Kloster
Vom Kloster zur Musterlandwirtschaft: Auflösung des Klosters am Weihenstephaner Berg.

Der wachsende Milchkonsum war auch die Grundlage für eine Revolution in der Melktechnik. Das Melken per Hand war viele Jahrtausende üblich. Erst vor etwa 60 Jahren wurde das teilautomatisierte Melken zum Standard. Jedoch musste noch immer jedes Melkgeschirr manuell angelegt werden. Heute passiert das teils vollautomatisiert und das Melken dauert in modernen Anlagen nur einen Bruchteil der ursprünglichen Zeit.

Das Kulturgut Milch: Milchshakes & Eiscreme 

Die Erfolgsgeschichte der Milch nahm in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine neue Wendung. Zum ersten Mal wurde eine groß angelegte Marketingkampagne für Milch entwickelt: „Viel mehr Milch, Butter, Käse“ – Werbebotschaften wie diese und viele weitere wurden auf Plakaten oder in Filmen von dem zu diesem Zwecke gegründeten Reichsmilchausschussvom Reichsministerium für Landwirtschaft verbreitet. Sogar Großveranstaltungen wie die Milchwerbetage wurden der Milch gewidmet. Alles mit dem Ziel die Milch als geschmackvolles und gesundes Lebensmittel in der Bevölkerung bekannter zu machen.  

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mit der Erfindung der Milchbar in den USA zu einem angesagten Trend. Dort trafen sich Menschen, ob jung oder alt, um wie im Filmklassiker „Zurück in die Zukunft“ gemeinsam einen Milkshake zu genießen. Ein Grund für deren Beliebtheit: Jungen Menschen unter 21 Jahren ist in den USA bis heute das Trinken von Alkohol verboten. Die Milchbar mit dem coolen Interieur und den legendären Musikboxen war für Jugendliche ihre Version des „American Way of Life“. Auch in Deutschland eröffneten Milchbars und Eisdielen, in denen sich Freunde und Familien auf eine Kirschmilch oder das leckere Milcheis trafen.

 

Vielfalt ist angesagt: Milch als modernes Lebensmittel

Die Frischmilch von heute wäre ohne diese beiden Männer nicht möglich: In den 1860er Jahren bewies Louis Pasteur, dass Mikroorganismen für das Verderben von Lebensmitteln verantwortlich sind. Heute wissen wir, dass diese winzigen Lebewesen Bakterien wie beispielsweise die Milchsäurebakterien sind, die Lebensmittel fermentieren, also gären lassen. Aber erst der Agrikulturchemiker Franz von Soxhlet forschte Ende des 19. Jahrhunderts zur Sterilisation von Milch und bereitete der pasteurisierten Milch den Weg.

Im 20. Jahrhundert folgten weitere Meilensteine der Milch-Geschichte: In den 1960er Jahren entstand die haltbare Milch. Zur selben Zeit wurden die ersten Kartonverbundpackungen entwickelt, die eine keimfreie Abfüllung von H-Milch ermöglichen. Mit steigender Beliebtheit der Milch und von Milchprodukten wuchs die Vielfalt: Aus der Molkerei Weihenstephan kommen heute mit länger haltbarer Frischmilch und H-Milch zwei Milchsorten mit verschiedenen Fettstufen– von Vollmilch mit 3,5 % Fett bis hin zur fettarmen Varianten mit 1,5 und 0,1 % Fett und dies in unterschiedlichen Packungsgrößen. Zudem gibt es Bio-Milch und laktosefreie Milch.

Auch Weihenstephan blickt auf eine fast tausendjährige Tradition in der Milchverarbeitung zurück. Wir möchten diese Erfolgsgeschichte der Milch fortschreiben. Dabei legt die Weihenstephan Molkerei Wert auf ihre Traditionen: Qualität ist eine der wichtigsten Werte, die sich jeden Tag in dem sorgfältigen Umgang mit dem Lebensmittel Milch zeigt. Um den unverfälschten Geschmack der Milch nicht zu verlieren, wird unsere H-Milch zum Beispiel in einem besonders qualitätsschonenden Herstellungsverfahren nur drei Sekunden lang ultrahoch erhitzt. Sie interessieren sich für das Herstellungsverfahren unserer Milch und wollen mehr über unsere Qualitätsansprüche erfahren? In unserem Blog finden Sie alle Antworten zu Ihren Fragen. 

Michaela Rösl
Michaela Rösl ist seit 2015 im Brandmanagement für die Marke Weihenstephan tätig. Ihre Expertise umfasst nicht nur strategische Entwicklung und Kommunikation der Marke, sondern auch breites Produktwissen. Dafür kennt sie nicht nur jedes Detail der rund 70 verschiedenen Weihenstephan-Produkte, sie findet auch immer wieder neue Wege, das umfangreiche Sortiment unter Berücksichtigung aktueller Markttrends mit neuen Variationen zu bereichern. Ihr Know-how zur Produktvielfalt, zur traditionsreichen Marke und den Anforderungen des Marktes teilt sie mit uns in ihren Milchgeschichten für den Weihenstephan Blog.
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